Text als RTF-Dokument herunterladen

Wochengottesdienste in der Woche nach Aschermittwoch

Eröffnung: Herr, bleibe bei uns (EG Wü 781.1)


Lichtentzündung  - von einer hereingetragenen Kerze aus


Lied: Lobt Gott, den Herrn der Herrlichkeit - EG 300,1-3


[ Benediktion über dem Licht (a)

Der Herr sei mit euch                             G: und mit deinem Geist

Lasst uns danksagen und Gott preisen   G: Das ist würdig und recht.

Gepriesen seist du, Gott, ewige Güte /

Grund alles Lebens, König der Welt, /

+ Du Hirte deines ganzen Volkes.

Wie du einst Israel durch Wolken- und Feuersäule geleitet hast /

so führst du auch uns durch diese vierzig Tage der Buße /

+ dass wir Wüste erfahren als Zeit der Prüfung und Umkehr.

Suchend als Pilger, mit Beten und Fasten /

öffne uns die Augen für deine Gegenwart im Elend der Welt, /

+ dass wir den verborgenen Glanz deines Erbarmens finden.

Sei mit uns auf dem Weg, jetzt und alle Tage; /

denn ohne dich würden wir zugrunde gehn, /

+ du aber willst, dass niemand verloren sei.

Dir allein gebührt Anbetung und Ruhm /

durch Christus, der als Licht zum Tag uns vorangeht /

+ zu jeder Zeit und in alle Ewigkeit. (T 190.11) ]


Psalmgebet
Asch   Spruch Bekehrt euch zum HERRN von ganzem Herzen, mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen.
Psalm 51 - Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte (EG.E 60 / T 520)

Do    Spruch Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was

         geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. 

         Psalm 85 B -  Könnte ich doch hören, was Gott der HERR redet (€ 74 / 131 T 505)

Fr    Psalm 31 A  -HERR, auf dich traue ich  (€ 45 / 31 A T 494)

Sa Psalm 86 - HERR, neige deine Ohren und erhöre mich  (€ 75 / 42 B T 506 ) 


Lesung
Asch Joel 2,12-19 - Kehrt um von ganzem Herzen mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen! 

2.Petr 1,2-11 - erweist in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis .. Mat 6,16-21 -Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt 

Do   Kol 3,(5-7)8-11 - nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener,

Fr    Hiob 42,1-6 - nun hat mein Auge dich gesehen. Darum .. bereue in Staub und Asche. 

Sa    Dan 5,1-7.17-30  Mene mene tekel u-parsin. -  das ist, Gott hat dein Königtum gezählt  


Antwortgesang: Ich suche dich, Herr, von ganzem Herzen - EG Wü 780.5

Betrachtung 

Asch     nach einer Vorlage der Anglikanischen Kirche in Kanada
Wir sind eingeladen, in diesen 40 Tagen eine Zeit des Fastens zu halten mit der Prüfung unseres eigenen Lebens, mit Umkehr und Gebet, mit Übungen von Verzicht und der Be-reitschaft zu praktischer Hilfe an Menschen in Not, getragen vom Hören und der Be-trachtung von Gottes Wort. - Asche ist schon im Alten Testament (wie das Beispiel der Asche von verbrannten goldenen Kalb zeigt) ein Zeichen der Buße und des Eingeständ-nisses von Schuld. Asche erinnert an die Vergänglichkeit des Lebens, unser eigenes ein-geschlossen. Asche ist ein Zeichen der Ferne von Gott, der Verfallenheit an Sünde und Tod. Asche ist ein dunkles Memento: „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zum Stau-be.“ - Aber zugleich kennt die Erfahrung die läuternde Kraft von Feuer und Asche. Ge-rade in Verbindung mit dem Kreuz wird zeichenhaft ein Bezug zu Christus angedeutet. Er ist der Herr, der die Sünde der Welt getragen hat, für uns in den Tod ging und der von Gott zu neuem Leben erweckt ist. Führen irdische Wege darum vom Licht zur Asche, so dürfen wir im Glauben auf das Umgekehrte hoffen: Am Anfang der Passion steht das Zeichen der Asche, am Ende das aufstrahlende Licht des Ostermorgens.

Book of Alternative Services, (Angl. Church of Canada), Toronto 1965, S.281 


Do Anselm Grün (* 1945) Benediktiner in Münsterschwarzach
In der Fastenzeit spüren wir, dass wir uns nicht selbst genügen, dass in uns ein Spalt offen steht, durch den das Nichts uns anstarrt. Vor diesem Nichts wollen wir uns schützen, indem wir den Spalt zuschütten mit Essen und Trinken. Wenn wir im Fasten den Spalt bewusst of-fen lassen, dann tauchen aus der Tiefe unse- res Abgrunds alle möglichen bedrohlichen Ge-danken auf, unterdrückte Gefühle, Ängste. Wir werden mit unserer inneren Wahrheit kon-frontiert, dass wir Geschöpfe Gottes sind, die von Gott ständig am Sein gehalten werden und ohne Gott in das Nichts versinken würden. Wer sich dieser Wahrheit stellt, wird innerlich frei, er hat die Angst überwunden und kann sich an seinem Sein freuen, das ihm Gott Tag für Tag schenkt. – Das Fasten will uns zu dieser Quelle füren, in der Gottes Geist selbst in uns sprudelt.

A. Grün, Mit Herz und allen Sinnen, Freiburg/B. 2005, S. 121

Fr A.S. Duncam-Jones, anglikanischer Theologe in England
Die Entwicklung der Fastenzeit ging dahin, dass sie nicht nur der Vorbereitung der Taufbe-werber und der Büßer auf Ostern hin dienen, sondern auch eine Zeit des Rückzugs für den gewöhnlichen Christen sein sollte. So wurde das Fasten immer mehr in den Vordergrund gerückt, wurde zu einer Zeit der spirituellen Belehrung und der Erneuerung, in der viele Ver-gnügungen und Ablenkungen abgestellt werden, nicht weil sie notwendigerweise schlecht sind, sondern weil sie die Konzentration stören, die die Seele braucht, wenn es um Fort-schritte auf dem Weg zum Himmel geht.... Ostern mit der Verkündigung des Sieges Gottes strahlt zunehmend in die Fastenzeit hinein. Die Reinigung von Geist, Herz und Wille wird als Antwort auf die Verheißung des Neuwerdens des Lebens unternommen. So gesehen, ist die Fastenzeit keine Zeit der Finsternis oder des Grübelns, sondern der Erwartung von neuer Kraft. Sie sollte nicht anstrengend, sondern eher anregend sein, in der Geisteshaltung eines Sportlers, der trainiert, damit er beim Rennen mit größerem Erfolg laufen kann. - Wenn in den Fasten der mittelalterliche Christ in Westeuropa seine Pfarrkirche betrat, begegnete ihm ein Anblick, der auffallend den ganz eigenen Charakter der Fastenzeit verdeutlichte. Alle Bilder und Kreuze waren in Leinentücher gehüllt, der Altar selbst durch einen langen Vor-hang vor dem Blick geschützt. Dahinter wurde die Eucharistie als ein Mysterium gefeiert, wie es mehr der Osten als der Westen liebte... Der Eindruck muss tiefgreifend gewesen sein. Man war in eine heilige Zeit eingetreten - vierzig Tage voller „Sparmaßnahmen“. - "Alle Dinge", sagt ein alter Schriftsteller, "die dem Schmuck der Kirche dienen, werden entweder beiseite gelegt oder verdeckt, um daran zu erinnern, dass wir jetzt klagen und trauern müssen, da wir für unsere Seelen - in Sünde tot - ständig wachsam sein müssen" mit Fasten, Beten und Almosengeben. 

[In anglikanischen Gemeinden werden in der Fastenzeit liturgische Gewandstücke aus rauem ungebleichtem Leinen (Lenten array) verwendet statt des üblichen Violetts.]
A.S. Duncan-Jones, England (1937)

Sa Dominik Helms (*1982) Theologiedozent (kath) in Augsburg
Die Kapitel 2 bis 6 des Danielbuches entfalten in legendarischen Hofgeschichten Episoden aus dem Leben Daniels und seiner Gefährten am fremden Königshof in Babylon. Dabei steht einerseits ihre göttliche Begabung mit Weisheit und besonderen Fähigkeiten im Zentrum, die sie über die Beamten des Königs heraushebt, so dass sie zu geschätzten Ratgebern des Kö-nigs werden ... Andererseits entstehen immer wieder Konflikte mit dem höfischen Machtap-parat, in denen ihre treue Religionsausübung zu einer tödlichen Gefahr wird, aus der Gott allein zu retten vermag ... Das Handeln Gottes wird auch im Exil sichtbar und zwar sowohl für Daniel als auch für die heidnischen Könige. Auf diese Weise wird das Leben in der Dia-spora zum Lernort für die fremden Herrscher, die mit den Zeichen und Wundern Gottes kon-frontiert werden.... Anders als der reumütige Nebukadnezar – so klagt Daniel an – habe Bel-sazar sich über Gott erhoben und trotz der Begegnung mit Gottes Wirksamkeit nicht den Weg der Demut beschritten. Daher werde ihn das göttliche Gericht treffen. Die beiden Könige wer-den einander als zwei Herrschertypen gegenübergestellt, die mit dem Gott Israels kon-frontiert, unterschiedliche Wege gehen. Doch nur der Weg der Anerkennung des höchsten Gottes führt nicht ins Verderben.
D. Helms, https://www.bibe-lwissenschaft. de/danielbuch

[Stille]


Lied 

Asch   O Herr, nimm unsre Schuld - EG 235,1-4
Do Ein reines Herz, Herr, schaff’ in mir - EG 389 in Auswahl 

Fr Lasset uns mit Jesus ziehen – EG 384,1-4

Sa Nimm von uns, Herr, du treuer Gott – EG 146,1-3(4.5) 


Bußpsalm statt Canticum (am Aschermittwoch) 

Kehrvers: Herr, erbarme dich. Christus,, erbarme dich. Herr, erbarme dich. (EG 178.10)

Psalm 130 - Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir (€ 106 / T 700)


Canticum (ab Donnerstag)

Kehrvers: Lob dir Christus, König und Erlöser. (Gotteslob 175.5)

Christushymnus:  Christus Jesus, der in göttlicher Gestalt war (EG Wü 764)

oder

Leitvers:  Seid unter euch gesinnt, wie Christus Jesus auch war. 

Christushymnus - Er, der in Gottes Gestalt war (T 513 / EG.Wü 764)


Fürbitten 

Aschermittwoch

Gütiger Gott. Bei dir ist Freude über jeden Menschen, der umkehrt und Buße tut. Du bist barmherzig. Lass uns darauf vertrauen und deinem Ruf folgen. Hilf uns, auch einander zu vergeben, wie du uns vergibst. Wir rufen dich an:
R: Kyrie eleison.
Mit der Befreiung von aller Angst und Verzweiflung über uns selbst mach uns deiner Zuwendung gewiss. Bewahre uns davor, deine Güte zu missbrauchen. Hilf uns, im Geist deiner Gnade zu leben. Wir rufen dich an:
R: Kyrie eleison.
Mit der Befreiung von Eitelkeit, die wohlgefällig sich selbst betrachtet, gib uns Augen, die die anderen in ihrer Not, ihren Verstrickungen und Einsamkeiten nicht übersehen. Wir rufen dich an:
R: Kyrie eleison.
Mit der Befreiung von Überheblichkeit, die viel und gern von sich selber redet, gib uns einen Mund, der Gutes von anderen und Gutes für andere spricht. Wir rufen dich an:
R: Kyrie eleison.
Mit der Befreiung von Trägheit, die sich mit dem Bestehenden abfindet, gib uns Hände, die Bedrängten helfen und Verkehrtes zurechtbringen. Wir rufen dich an:
R: Kyrie eleison.
Mit der Befreiung von Bosheit, die auf Vergeltung und Vernichtung sinnt, gib uns ein Herz, das sich erbarmen und sich verschenken kann. Wir rufen dich an: 

R: Kyrie eleison. WE 237 

Donnerstag

Du, Gott, hast uns gerufen auf den Weg Jesu, uns manchmal so zögerlichen Menschen. Lass uns dir treu sein, dass wir ein Anhalt werden zur Hoffnung in dieser umdunkelten Welt. Wir rufen dich an -
R: Kyrie eleison.
In deiner Demut hast du dein Wort uns gewöhnlichen Menschen anvertraut. Dein Werk hast du in unsere Hände gegeben. Hol uns heraus aus allem, was uns gefangen hält oder an der Nachfolge hindern will. Wir rufen dich an -
R: Kyrie eleison.
Zerstreue unsere Bedenken. Überwinde unsere Bitterkeit. Führe uns über unsere Vorbehalte hinaus. Bring unser Gerede zum Schweigen. Wir rufen dich an -
R: Kyrie eleison.
Bewahre Trostlose und Suchende vor Härte und Missachtung. Lass die Kleinen und Stum-men nicht endlos leiden unter dem Einfluss der Großen und Lauten. Hilf uns, sorgsam zu werden im Umgang mit der Macht. Wir rufen dich an -
R: Kyrie eleison. M 55

Freitag

Staub sind wir. Vergänglich, flüchtig, geplagt. Wirst du uns hören, beständiger Gott? Wirst du uns sehen, treuer Gott? Wir halten dir das Vergängliche hin. Unsere Erfolge zerrinnen uns zwischen unseren Fingern. Unsere Mühe ist vergeblich. Unser Glück zerbricht. Wenn wir zu dir umkehrten - Wirst du uns halten? Wirst du die Bruchstücke wieder zusammenfügen? Wirst du unsere Wunden heilen? Wir rufen zu dir: 

R: Erbarme dich. 

Wir halten dir die Schmerzen hin. Auf Trauer folgt neue Trauer. Hass gebiert neuen Hass. Verachtung demütigt die Schwachen. Wenn wir zu dir umkehrten - Wirst du uns vergeben? Wirst du den Hass besiegen? Wirst du die Gedemütigten aufrichten? Wir rufen zu dir: 

R: Erbarme dich. 

Wir halten dir den Unglauben hin. Die Enttäuschten verlieren die Hoffnung. Die Gequälten weinen weiter. Die Verfolgten resignieren. Wenn wir zu dir umkehrten - Wirst du uns anrüh-ren? Wirst du die Ratlosen überzeugen? Wirst du die Verzweifelten trösten? Wir rufen zu dir: R: Erbarme dich. V Asch 2020 

Samstag

Gott des Friedens. Zu dir wollen wir umkehren, Aus unserer Friedlosigkeit rufst du uns heraus. Du willst unseren Hass nicht. Wir bitten dich für die Mächtigen, die über Krieg und Frieden entscheiden. Lege ihnen Gedanken und Worte des Friedens ins Herz. Hindere sie daran, nach den Waffen zu greifen. Bewahre die Völker der Welt vor Krieg. Gott des Frie-dens - wir bitten dich: 

R: Erhöre uns. 

Gott der Versöhnung. Zu dir wollen wir umkehren, Aus unserer Schuld rufst du uns heraus. Du willst unsere Verfehlungen nicht. Wir bitten dich für alle, an denen wir schuldig werden und auf deren Kosten wir leben. Bewahre sie vor den Folgen unserer Selbstbezogenheit. Gott der Versöhnung – wir bitten dich: 

R: Erhöre uns. 

Gott der Barmherzigkeit. Zu dir wollen wir umkehren, Aus unserer Ungerechtigkeit rufst du uns heraus. Du willst unsere Achtlosigkeit nicht. Wir bitten dich für die, die nur Armut kennen und deren Rechte mit Füßen getreten werden. Gib ihnen ihre Würde zurück. Gott der Barmherzigkeit – wir bitten dich: 

R: Erhöre uns. 

Gott der Liebe. Zu dir wollen wir umkehren, Aus unserer Lieblosigkeit rufst du uns heraus. Du willst unsere Gedankenlosigkeit nicht. Wir bitten dich für die, die zu uns gehören. Behüte sie, wenn wir nicht für sie einstehen. Gott der Liebe – wir bitten dich: 

R: Erhöre uns. V Asch 2014 


Vaterunser


Segen

Gott, der Vater der Liebe und Kraft, und befreie uns von unserer Schuld, heile und stärke uns durch seinen Geist und erwecke uns zu neuem Leben in Christus, unserm Herrn. CW 135 


Quellen und Hinweise


Soweit nicht anders angegeben sind Bibelverse wörtlich zitiert aus: Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung – revidiert 2017, © 2017, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

a Das Luzernar ist passend  für den Abend des Aschermittwochs

Ergänzungsheft zum EG (Leipzig 2018)

E Evangelisches Gottesdienstbuch (UEK/EVELKD) Bielefeld/Leipzig 2020, S.

EG Evangelisches Gesangbuch - Stammausgabe, 

EG Wü  Evangelisches Gesangbuch - Ausgabe Württemberg, 

CW Common Worship (Church of England), London, 2000, S.

M Michael Meyer, Nachdenkliche Gebete, Göttingen 1988, S.

T Evangelisches Tagzeitenbuch, Göttingen 2020, Nr.

T&S   Common Worship (Church of England), Times and Seasons, London 2006 , S.

V Wochengebet der VELKD

WE   Württembergisches Gottesdienstbuch - Ergänzungsband 2005, S.