Text als RTF-Dokument herunterladen

14. Januar


Propheten Maleachi (blau #) Prophet des künftigen Heils

Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. Mal 3,20


In manchen Kirchen der Ökumene (Orthodoxie, Anglikanische Kirche in Kanada, amerikanische Lutheraner (LCA) wird nicht nur der Apostel und überzeugenden „Heiligen“ aus der Geschichte des christlichen Glaubens gedacht, sondern auch zu besonderen Tagen an herausragende Gestalten des Ersten Bundes erinnert mit dem, was von ihnen im Alten Testament (Tora, Prophetenbücher, Schriften – auch außerkanonisch) überliefert wird. Ihr Gedächtnis kann das „Thema“ für einen Wochen-Gottesdienst vorgeben. Dazu werden Vorschläge für eine abendliche Feier (Vesper) mit Elementen aus der Tagzeitenliturgie geboten.

Abendgottesdienst

Eröffnung (Begrüßung)

Gelobt sei Gott, der HERR, der Gott Israels, der allein Wunder tut. Gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich und alle Lande sollen seiner Ehre voll werden.  (Ps 72,28.29) R: Amen.

Wir gedenken heute des Maleachi, der als ein  Prophet des künftigen Heils für Israel gesandt wurde. Maleachi gehört zum Zwölfprophetenbuch und bildet damit den Abschluss der Sammlung der Neviim (Propheten). Im westkirchlichen Alten Testament steht es an letzter Stelle. Über den Verfasser ist nichts bekannt. Das hebräische Wort mal'aki bedeutet „Mein Bote“. Als Personenname ist Maleachi nicht belegt. In der rabbinischen Tradition wird der letzte Prophet des Tanach mit Esra, dem Schriftgelehrten, identifiziert.  [ Möglicherweise steht hinter dem Buch keine Einzelgestalt, sondern es ist eine schriftgelehrte Auslegung. Der Name wäre dann eine Ableitung aus Mal 2,7 und 3,1  und könnte programmatisch auf Sendung und Amt des Propheten bezogen sein.] Das deutliche Interesse der Maleachi-Schrift an Tempel und Priesterschaft deutet auf ein Milieu in diesem Umfeld hin; die Gruppe der Leviten als Pfleger der Schriftüberlieferung ist naheliegend. (a)
 (Lied:  Lobt Gott, den Herrn  der Herrlichkeit (EG 300,1-3)


[ oder ]  Eröffnung (Ingressus): Herr, bleibe bei uns (EG Wü 781.1)


Psalmodie (gesungen)

Leitvers: Meine Augen sehen stets auf den Herrn.

Psalm 25 : Herr, zeige mir deine Wege (EG Wü 784)

oder - mit dem Evangelischen Tagzeitenbuch

Leitvers: Dient dem HERRN mit Freuden, kommt mit Jubel und preist seinen Namen.

Psalm 100 Jauchzt dem HERRN, alle Welt (TZB 450)


oder Psalmgebet (gesprochen)

Leitvers:  Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang ist des HERREN Name herrlich unter den Völkern. Mal 1,11

Psalm 100 –Jauchzt dem HERRN, alle Welt (EG.E 81 / EG 740)

Tagesgebet 

Beten wir in der Stille zu Gott, der uns in seinem Wort begegnet: - Stille - 

Herr, unser Gott, durch die Botschaft deiner Propheten willst du die Gedanken und Regungen der menschlichen Herzen ausrichten. In deinem manchmal so fremd empfundenen Wort lass uns erkennen, was zu unserem Heil dient. Gib, dass nicht vergeblich bleibt, was in deinem Namen verkündet wird, sondern bewirkt, was dir gefällt, und Frucht trägt, die bleibt. Dir sei Ehre in Ewigkeit.   (b) 


Lesung (Altes Testament): Maleachi 3 ,20-24 – Euch soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit


Antwortgesang: Weise mir, Herr, deinen Weg (EG Wü 779.3)


Lesung (Neues Testament):: Lukas 1,12-17 -  ... zu bekehren die Herzen der Väter  


Antwortgesang: Fest wie der Himmel steht dein Wort (EG Wü 780.4))


Auslegung oder Betrachtung 


Lied: Erhebet er sich unser Gott (EG 281 in Auswahl)

oder Sonne der Gerechtigkeit (EG 262/263 in Auswahl)


[ Canticum (c)

Leitvers: Der Herr hat uns aufgerichtet eine Macht des Heiles im Hause seines Dieners David.

Benedictus:  Gelobt sei der Herr, der Gott Israels (EGWü 779.6)

 

Fürbitten
Ewiger Gott, zu allen Zeiten hast du Menschen in Anspruch genommen, deinen Willen zu bezeugen, für deine Gerechtigkeit einzutreten und ihre Zeitgenossen zurückzuführen auf den Weg des Lebens. Sei auch jetzt unter uns wirksam durch deinen Geist. – Wir rufen dich an:

R: Dein Reich komme.

Wir bitten für deine Kirche: Stärke sie, glaubwürdig zu verkünden, was du verheißen hast; ermutige sie, Unrecht beim Namen zu nennen; führe durch sie Menschen in das Vertrauen, dass du denen Vergebung schenkst, die innehalten auf ihrem Weg. – Wir rufen dich an:

R: Dein Reich komme.

Wir bitten für alle, die zu bestimmen haben im wirtschaftlichen Leben: Gib, dass sie ihre Verantwortung für den Frieden auf Erden und das Wohl aller Menschen nicht versäumen; bewahre sie vor der Versuchung, ihre Macht zu missbrauchen. – Wir rufen dich an:

R: Dein Reich komme.

Wir bitten für alle, die von Rastlosigkeit, Überforderung und Angst geplagt werden: Öffne ihnen Raum zur Erquickung für Leib und Seele; lass sie Zeit finden, das Wort des Lebens wahrzunehmen. – Wir rufen dich an:

R: Dein Reich komme.

Wir bitten für alle, die ihre Einsamkeit schmerzlich spüren oder gebeugt sind von Trauer und Verzweiflung: Lass sie Annahme und Freundlichkeit durch andere Menschen erfahren und darin Zeichen deiner Nähe erkennen. – Wir rufen dich an:

R: Dein Reich komme.

Wir bitten für uns alle: Gib uns wache Sinne und bereite Herzen für die Zeichen deines Kommens; mache uns achtsam für all jene, in denen du uns begegnest. – Wir rufen dich an:

R: Dein Reich komme. (d)

Vaterunser


[ Schlussgesang: Ach mache du mich Armen (EG 10,4)

oder Schalom chaverim (EG 434)


Segen


Anhang

Maleachi beschreibt, beklagt und verurteilt die gleichen Probleme, die es schon bei anderen Propheten gegeben hat: ungerechter Umgang mit Geld, geistlicher Verfall und Trägheit, soziale Ungerechtigkeit sowie die Mischehen mit Heiden – vor allem das Vermischen mit den heidnischen Religionen. Wegen des trägen und unehrlichen geistlichen Lebens der Juden in der nachexilischen Zeit, ruft Gott durch Maleachi zur Umkehr und zur neuen Hinwendung an Gott auf. 

Das Buch Maleachi berichtet von dem letzten Werben um sein Volk, bevor der Messias kommen soll. Danach schweigt die Stimme Gottes, die Juden warten bis heute auf den kommenden Messias und auf den in Maleachi vorhergesagten Elia (Mal 3,22–24). Für die Christen hat sich in Johannes dem Täufer die Vorhersage des Elia erfüllt. 

Die vielfältigen theologischen Themen der Maleachi-Schrift lassen sich nur aus der Auslegung des ganzen Buches erkennen. Die vielen Themen lassen sich unter die Überschriften „Segen“, „Gabe“ und „Gerechtigkeit“ bündeln. Aus ihrem Zusammenspiel ergibt sich eine endzeitliche Perspektive. „Zwar steht JHWHs Segen am Anfang und ist vorgegeben. Aber weil die Gabe gegenwärtig verdorben ist, muss der kommende Tag erst die Reinigung bringen, welche reine Gabe und erneuten Segen möglich macht.“ Und weil die Gerechtigkeit gegenwärtig nicht sichtbar ist, scheinbar sogar die Gewalttäter die Oberhand haben, muss durch JHWHs Kommen zum Recht (Mal 3,5) und durch den kommenden Tag die Scheidung der Gerechten von den Gottlosen vorgenommen werden. 

Wichtige Stellen für die christliche Interpretation finden sich am Beginn des Markusevangeliums, wo 3,1 als Jesaja-Zitat ausgegeben und der bei Maleachi genannte Bote mit Johannes dem Täufer identifiziert (Mk 1,2–4 ). Maleachi 3,23 weist auf ein eschatologisches Auftreten von Elia hin, das im Neuen Testament ebenfalls auf Johannes den Täufer bezogen wird (Mt 11,13–14 ). Der Bote in Maleachi 3 wird in der christlichen Auslegung auch mit Jesus selbst identifiziert, der die Menschen von ihrer Schuld reinigen wird. (Das Wort in Maleachi 1,11 „an allen Orten wird meinem Namen ein Räucheropfer und ein keines Opfer dargebracht“ wird in der katholischen und orthodoxen Kirche als Ankündigung des eucharistischen Opfers interpretiert.) (a)


Quellen und Vorlagen


Soweit nicht anders angegeben sind Bibelverse wörtlich zitiert aus: Die Bibel nach Martin Luthers

Übersetzung – revidiert 2017, © 2017, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 

# als eigenständige liturgische Farbe für das Gedenken alttestamentlicher Gestalten könnte das adventliche Blau (der Erwartung) verwendet werden, wie in der schwedischen und finnischen Kirche sowie in einer Reihe amerikanischer Denominationen (z.B. Lutheraner) gebräuchlich 

[ ] Durch Klammer gekennzeichnete Stücke können entfallen

a vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Maleachi

b R.B.

c Die Verwendung des Benedictus als Canticum in diesem Abendgottesdienst legt sich nahe, da in der orthodoxen Tradition Johannes der Täufer als Repräsentant des ersterwählten Gottesvolkes gesehen wird (vgl. Deisis).

d Quelle derzeit nicht feststellbar