Texte zu Gottesdiensten im Kirchenjahr

9. August 2026 (b)

(Gottesdienst mit Bußcharakter)


10. Sonntag nach Trinitatis (violett) - Israelsonntag - Gedenken der Zerstörung Jerusalems

Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat. (Ps 33,12)


Predigtgottesdienst

           

Vorspiel


Eröffnung (Begrüßung)

Wir sind versammelt im Namen Gottes, der Himmel und Erde gemacht und Israel als sein erwähltes Volk berufen hat; der in Jesus von Nazareth, dem als Jude geborenen, gekreuzigten und auferstandenen 

Christus, Menschen aus allen Völkern der Welt zu sich ruft; der durch den Heiligen Geist Israel und die Kirche gemeinsam zu seinen Zeugen und zu Erben seiner Verheißung macht. (a) R: Amen. 

Der 10. Sonntag nach Trinitatis wird schon lange in unserer evangelischen Kirche als "Israel-Sonntag" 

begangen.  Er „fällt traditionsgemäß in die Nähe des jüdischen Gedenkens an die Zerstörung des zweiten Tempels [durch die Römer im Jahre 70] – im jüdischen Kalender der 9. Aw. Mit diesem Datum verbinden sich in der jüdischen Tradition weitere Schicksalsdaten: der Beschluss Gottes, das Volk Israel vierzig 

Jahre lang in der Wüste zu lassen, die Zerstörung des ersten Tempels [durch Nebukadnezar], die [mittelalterliche]  Vertreibung der Juden aus England und Spanien. Die jüdischen Gottesdienste am 9. Aw sind voller Klage und voller trotzigem Festhalten an Gott.“ (b) Auch unser Gottesdienst heute soll Raum geben für Klage und Buße, angesichts der Blindheit und Selbstgerechtigkeit von Christen dem Volk Israel gegenüber, von der wir hoffen, dass sie überwunden ist.


Lied zum Eingang: Wo Gott der Herr nicht bei uns hält - EG 297 in Auswahl


Psalmgebet

Votum: Gedenke, Gott, dass der Feind den HERRN schmäht und ein törichtes Volk deinen Namen lästert. Gib de Taube nicht den Tieren preis; das Leben deiner Elenden vergiss nicht für immer. Ps 74,18.19

Psalm 74 – Gott, warum verstößest du uns für immer (EG.E 70) mit „Heiliger Herre Gott“ (EG 185.4) 

oder 

Votum: Gedenke, Gott, an deine Gemeinde, die du vor Zeiten erworben und dir zum Erbteil erlöst hast. 

Ps 74,2

Psalm 102Herr, höre mein Gebet (EG 741) mit „Heiliger Herre Gott“ (EG 185.4)

oder

Anrufung I (Klagegebet)

V Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen,

G: allen, die ihn ernstlich anrufen. (Ps 148,18

Gedenke, HERR, wie es uns geht; schau und sieh an unsre Schmach! Sie haben die Frauen in Zion 

geschändet und die Jungfrauen in den Städten Judas. Fürsten wurde von ihnen gehenkt und die Alten hat man nicht geehrt. Jünglinge mussten Mühlsteine tragen und Knaben beim Holztragen straucheln. Es sitzen die Ältesten nicht mehr im Tor und die Jünglinge nicht mehr beim Saitenspiel. [Wir rufen:]

R: Heiliger Herre Gott (EG 185.4)

Unseres Herzens Freude hat ein Ende, unser Reigen ist in Wehklagen verkehrt. Die Krone ist von unserem Haupt gefallen. O weh, dass wir so gesündigt haben! Darum ist auch unser Herz krank, und unsere Augen sind trübe geworden um des Berges Zion willen, weil er so wüst liegt, dass die Füchse darüber laufen.  [Wir rufen:].  R: Heiliger Herre Gott... (EG 185.4)

Aber du, HERR, der du ewiglich bleibst und dein Thron von Geschlecht zu Geschlecht, warum willst du uns so ganz vergessen und uns lebenslang so ganz verlassen? Bringe uns, HERR, zu dir zurück, dass wir wieder heimkommen; erneuere unsre Tage wie vor alters! Auch, wenn du uns denn ganz verworfen hast und über uns so sehr erzürnt warst [Wir rufen:] (c)  R: Heiliger Herre Gott... (EG 185.4) ]

oder

Anrufung II  (Litanei)

Gott des Erbarmens. Dein Volk Israel blickt zurück auf viele Erfahrungen von Zerstörung, Demütigung und Vertreibung und trauert vor dir. Als Kirche haben wir diese Trauer lange nicht geteilt, sondern oft genug vergrößert und haben uns angemaßt, die Katastrophen Israels als Gericht über seine Verstocktheit zu deuten. - Dich rufen wir an:

Kyrie-Ruf oder Trishagion (Heiliger Herre Gott... EG 185.4)

Wir erkennen, dass wir es sind, die deinen Zorn verdient haben, weil uns nicht zusteht, uns über dein Volk zu erheben und es in seinem Leid allein zu lassen. Wir bitten, vergib uns und führe uns zur Umkehr. - Dich rufen wir an:

Kyrie-Ruf oder Trishagion (Heiliger Herre Gott... EG 185.4)

Hilf, dass wir nicht nur mit Lippenbekenntnissen unsere Veränderung im Denken beteuern, sondern uns berühren lassen von der Klage deines Volkes. Verwandle uns, dass aus Gleichgültigkeit Teilnahme werde, Kälte der Herzlichkeit weiche und statt Selbstgerechtigkeit uns tätige Buße leite. Dich rufen wir an: (d)

Kyrie-Ruf oder Trishagion (Heiliger Herre Gott... EG 185.4)


Tagesgebet

Beten wir in der Stille zu Gott, der uns Menschen gnädig sein will: - Stille – 

Gott, du Heiliger Israels, du vergisst die Leiden deines Volkes nicht und wirst von seinen Peinigern 

Rechenschaft fordern. Vor dir können wir Versagen und Schuld der Kirche den Juden gegenüber nicht verbergen, noch die weit verbreitete Gleichgültigkeit am Geschick Israels leugnen. Wende dich uns in deiner Barmherzigkeit zu, vergib uns und stell uns deinem Volk in neuer Achtsamkeit zur Seite. (e)

oder

Gnädiger und barmherziger Gott, Richter der Welt. Wir erinnern uns heute an das Grauen, das unser Volk über die Juden Europas gebracht hat. Es fällt uns schwer, diese Verbrechen als Teil unserer Geschichte

anzunehmen. Lass uns begreifen, dass sie nie verjähren, weil die Wunde im Gedächtnis deines Volkes nicht verheilt. Mach uns empfindsam für den bleibenden Schmerz und eine leicht zu entzündende Angst, dass sich ähnliches wiederholen könnte. Hilf uns wachsam zu sein gegen alte und neue Feindbilder. Gib, dass aus der Erinnerung an das Böse Kraft zu Gutem erwachsen kann. (f)

oder

Gebet: … Nach all dem Leid, das den Gliedern deines erwählten Volkes zugefügt worden ist, . (g)


Schriftlesung (Evangelium): Lukas 19,41-44 (45-48) (I) Jesus weint über Jerusalem

oder (Altes Testament): Klagelieder 5,1-22 (IV) Klage über die Zerstörung Jerusalems

oder (Altes Testament): 5. Mose 30,1-6(7-10) (VI) Verheißung der Rückkehr ins Land

 

Antwortlied: Aus tiefer Not lasst uns zu Gott (EG 144 in Auswahl)


Predigttext (Epistel): Römer 9,1-5 (II) Sie sind Israeliten, denen die Kindschaft gehört


Predigt 


Besinnung (Musik oder Lied) 


Bekenntnis (Klage- und Vertrauenspsalm)

In Stille verbinden wir uns mit Israel, gedenken voll Trauer der Zerstörung des Tempels, der Vertreibungen und all der Leiden des Volkes durch die Jahrhunderte: 

- Stille - 

Im Vertrauen auf die Treue Gottes wagen wir zu sprechen:

Psalm 73 - ohne Doxologie -  Gott, ist dennoch Israels Trost (EG.E 69)

oder Psalm 73 - ohne Doxologie -  Dennoch bleibe ich stets an dir (EG 733)


Fürbitten

Barmherziger Gott. Wir bitten dich für die Opfer der Shoah, die der Heimtücke und Bosheit unseres Volkes zum Opfer gefallen sind, und für die Überlebenden der Judenverfolgung, die bis heute gezeichnet sind von dem erlittenen Grauen: lass sie nicht vergessen werden; gedenke du selber ihrer Tränen und schaffe ihnen Recht. Wir rufen dich an: R: Kyrie eleison

Gott, weil wir sehen, was Menschen einander antun, und ahnen, wozu auch wir fähig sein könnten, weil wir unserer selbst nicht mehr so sicher sein können, weil wir das Böse in uns und um uns nicht mehr verharmlosen oder wegreden wollen, bitten wir dich: Gib uns Klarheit und Halt und bewahre uns vor schwerer Prüfung. Wir rufen dich an: R:  Kyrie eleison

Wir bitten dich für alle, die Schuld tragen an der Zerstörung menschlichen Lebens. Für die, die Entsetzen um sich verbreiten, die Lust daran haben, andere zu quälen: Richte sie, ändere sie, mach sie empfindsam für fremdes Leid. Wir rufen dich an: R: Kyrie eleison

Nimm von uns, Herr, unsere Selbstgerechtigkeit und vergib uns unsere Schuld. Mach uns bereit, nach deinem Willen zu leben und achtsamer zu werden miteinander. Lehre uns Ehrfurcht vor dir und vor dem Leben. Wir rufen dich an: R: Kyrie eleison    (h)

oder

Barmherziger Gott. Wir bitten dich heute zuerst für dein Volk Israel, das dir die Treue gehalten hat: 

Gewähre ihm Frieden. Lass Juden überall auf der Welt in Ruhe und Sicherheit wohnen. Wehre dem 

Antisemitismus unter den Völkern. Bringe Bewegung in die verhärteten Fronten des Nahostkonflikts. Hilf nach Lösungen zu suchen, mit der alle Beteiligten zu leben bereit sind. Wir rufen zu dir:

R: Herr, erbarme dich.

Wir Christen gestehen vor dir ein, dass wir Mitschuld daran tragen, dass Juden in aller Welt bedrängt werden. Wir haben deinem Volk Israel viel zu verdanken, doch lange Zeit waren wir undankbar. Wir haben uns selbst als neues Gottesvolk bezeichnet als könne sich die Kirche an Israels Platz stellen. Wir haben uns Israels Schriften übernommen und dessen Zusagen und angeeignet,  aber Israel selbst in seiner Erwählung haben wir vergessen. Wir rufen zu dir:  R: Herr, erbarme dich.

Du, Gott Israels und der Kirche, du bist ein lebendiger Gott. Vergib alle Überheblichkeit. Bringe neues Leben in die Beziehungen zwischen Christen und Juden. Lass uns einander so annehmen und ehren, wie wir geworden sind. Gib, dass dein Will in der Welt anerkannt wird und das es geschieht, dass Juden und Christen ein Segen füreinander und für andere Werden. Wir rufen zu dir: R: Herr, erbarme dich. (i)

Du, Gott Israels und der Kirche, du achtest auf alle Volker. Wir danken für alle, die trotz Not und 

Versuchungen, den Glauben, die Liebe und die Hoffnung bewahrt haben und sich zur Verbesserung der Lebensverhältnisse in ihren Ländern einsetzen. Wir bitten um den Aufbau einer Gesellschaft , in der Kinder in Frieden und Liebe statt in Hass und Gewalt aufwachsen können. Wir rufen zu dir: (k)

R: Herr, erbarme dich. 

oder das aktuelle Wochengebet der VELKD  


[ ggf. * Feier des Abendmahls - s. unten]


Vaterunser 


Lied zum Ausgang: Und suchst du meine Sünde - EG 237


Abkündigungen – Friedensbitte: Verleih uns Frieden gnädiglich - EG 421


Sendungswort

Der HERR gedenkt ewiglich an seinen Bund, an das Wort, das er verheißen hat für tausend Geschlechter, an den Bund, den er geschlossen hat mit Abraham und an den Eid, den er Isaak geschworen hat. 

Ps 105, 8.9


Segen – Nachspiel


Wird im Gottesdienst Abendmahl gefeiert, so werden nach den Fürbitten folgende Stücke eingefügt:

* Eingeständnis und  Zusage

Unsere Hilfe steht im Namen des HERRN,

G: der Himmel und Erde gemacht hat.

Nun, Gottes Volk, was fordert der HERR, dein Gott noch von dir, als dass du den HERRN, deinen Gott fürchtest; dass du in allen seinen Wegen wandelst und ihn liebst und dem HERRN, deinem Gott, dienst von ganzem Herzen und von ganzer Seele, dass du die Gebote des HERRN hältst und seine Rechte, auf dass es dir wohlgehe ?  (nach 5. Mose 10,12) Als solche, die vor den Erwartungen Gottes nicht bestehen können, bitten wir um seine Gnade:

G: Der allmächtige Gott erbarme sich unser. Er vergebe uns unsre Sünde und führe uns zum ewigen Leben.        (oder in  anderer Form)

So spricht der HERR zu seinem Volk: Gedenke daran, ich habe ich bereitet, dass du mein Knecht seist, Israel, ich vergesse dich nicht! Ich tilge deine Missetat wie eine Wolke und deine Sünden wie einen Nebel. Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich. (Jes 44,21.22) Wir dürfen gewiss sein: Der allmächtige Gott hat sich auch uns zugewandt in Christus, durch den die Macht von Sünde und Tod überwunden ist.  Aus seiner Vergebung können wir leben. Was gewesen ist, soll nicht mehr beschweren, was kommt, muss uns nicht schrecken. Gottes Gnade ist unseres Lebens Freude und Kraft. (oder in  anderer Form)


* Friedensgruß

Christus ist unser Friede. Er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündet, denen, die einst fern waren und denen, die nahe waren. Durch ihn haben wir alle Zugang zum Vater. Grüßen wir 

einander in seinem Frieden. Eph 2,14.17.18


* Lied: Und suchst du meine Sünde - EG 237


* Abendmahlsgebet

Wir danken dir, Ewiger, für deine Güte und Treue. Du hast Israel aus dem Sklavenhaus befreit, sein Schreien hast du erhört. Du hast dein Volk wie eine Mutter getragen, gabst ihm Manna und Wasser in der Wüste und hast Israel in das verheißene Land geführt. Du begleitest es auch heute. Uns hast du Jesus Christus gesandt, damit auch wir Befreiung erfahren.
Einsetzungsworte

Sooft wir von diesem Brot essen und von diesem Kelch trinken, erfahren und bezeugen wir das 

Geheimnis des Glaubens:

G:  Deinen Tod, o Herr, verkünden wir … [EG 189]
Gott, du bist die Quelle des Lebens, und in deinem Licht sehen wir das Licht. Du bist unsere Zuversicht und führst uns in die Weite. Sei gegenwärtig, wenn wir das Brot des Lebens empfangen und von dem Kelch des Heiles trinken. Sende deinen Geist, wenn wir tun, was Jesus uns geboten hat. (l)


Vaterunser


* Brotbrechen  -  Agnus Dei

Der Kelch des Segens, für den wir danken, ist die Gemeinschaft des Blutes Christi. Das Brot, das wir brechen, ist die Gemeinschaft des Leibes Christi. Denn ein Brot ist's: So sind wir, die vielen, ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben. 1.Kor 10,16f

G: Christe, du Lamm Gottes (EG 190.2)


* Einladung  - Austeilung


* Dankgebet

Lobe denHERRN, meine Seele,

R: und was in mir ist, seinen heiligen Namen ... (Ps 104,1-4)

Wir danken dir für deine Gabe, Gott, in diesem Sakrament. Von den Zeiten deines Knechtes Mose an hast du dein Volk auf dem Weg durch die Zeiten mit Speise und Trank beschenkt. Bleibe bei allen, die du berufen hast, mit deinem mächtigen Schutz und führe uns zur  ewigen Vollendung in deinem Reich durch Jesus Christus, deinen Knecht, unsern Bruder und Herrn.  (m)


Lied zum Ausgang: Freunde, dass der Mandelzweig - EGWü 655,1.2(3)


Abkündigungen – Friedensbitte – [Sendungswort –] Segen – Nachspiel (wie oben)


Quellen und Vorlagen


Soweit nicht anders angegeben sind Bibelverse wörtlich zitiert aus: Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung – revidiert 2017, © 2017, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
[ ]   Stücke, die entfallen können

* Stücke, die entfallen, wenn kein Abendmahl gefeiert wird

a vgl. Arbeitshilfe „Als er die Stadt sah...“, Denkendorf 2009, S. 19

b vgl. Reformierte Liturgie, Wuppertal 1999, S. 132

c Klagelieder 5,1-22 (Predigttext IV. Reihe zum 10. Sonntag nach Trinitatis (violett)

d vgl. Reformierte Liturgie, Wuppertal 1999, S. 132 

e Quelle derzeit nicht zu ermitteln

f vgl. Ergänzungsband zum Württemb. Gottesdienstbuch, Stuttgart 2005, S. 138.2

g siehe Evangelisches Gottesdienstbuch, (UEK / VELKD); Bielefeld / Leipzig, S. 429

i vgl. Wege zum Verständnis des Judentums, Predigthilfe Israelsonntag 2001, Denkendorf 2001, S. 16

k vgl. World Council of Churches, Payer-Circle, Week 49 (2017)

l vgl. Württembergisches Gottesdienstbuch I, Stuttgart 2004, S. 320.8

m vgl. Aktion Sühnezeichen, Predigthilfe 2001, S. 4