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16. Dezember - Prophet Haggai


Propheten Haggai (blau #) Prophet des künftigen Heils

Die Gebeine der zwölf Propheten mögen grünen, wo sie liegen. Denn sie haben Jakob getröstet und die erlöst, die glauben und hoffen. Sir 49,10


In manchen Kirchen der Ökumene (Orthodoxie, Anglikanische Kirche in Kanada, amerikanische Lutheraner (LCA) wird nicht nur der Apostel und überzeugenden „Heiligen“ aus der Geschichte des christlichen Glaubens gedacht, sondern auch zu besonderen Tagen an herausragende Gestalten des Ersten Bundes erinnert mit dem, was von ihnen im Alten Testament (Tora, Prophetenbücher, Schriften – auch außerkanonisch) überliefert wird. Ihr Gedächtnis kann das „Thema“ für einen Wochen-Gottesdienst vorgeben. Dazu werden Vorschläge für eine abendliche Feier (Vesper) mit Elementen aus der Tagzeitenliturgie geboten.

Abendgottesdienst


Eröffnung 

Gelobt sei Gott, der HERR, der Gott Israels, der allein Wunder tut. Gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich und alle Lande sollen seiner Ehre voll werden.  (Ps 72,28.29) R: Amen.

Wir gedenken heute des Propheten Haggai, der als Prophet des künftigen Heils für Israel gesandt wurde. Haggai (von hebräisch  Der am Festtag Geborene) war ein Prophet und Autor des nach ihm benannten Prophetenbuchs im Tanach. Er wirkte laut Hag 1,1, Esra 5,1 und 6,14 um 520 v. Chr. am Jerusalemer Tempel, als dieser wiederaufgebaut wurde, und gehörte somit wohl zu den jüdischen Rückkehrern aus dem Babylonischen Exil. [ Das Buch Haggai gehört zum Zwölfprophetenbuch im Judentum und damit auch zum Alten Testament des Christentums.]  Hauptthema des Buches ist der Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem nach dem Babylonischen Exil. [Seine Prophezeiungen sind auf das Jahr 520 v. Chr. datiert, mit genauen Datumsangaben. Es enthält vier Reden.:1. Rede (Hag 1,1-15), Aufruf Gottes, die Arbeit am Tempel wieder aufzunehmen -2. Rede (Hag 2,1-9 ), Weis-sagung von der Herrlichkeit des künftigen Tempels - 3. Rede (Hag 2,10-19 ), Verheißung von Got-tes Segen nach der langen Gerichtszeit, wenn das Volk wieder in Heiligkeit lebt - 4. Rede (Hag 2,20-23 ), Prophetie vom kommenden Gericht für die übrige Welt und von der Ehrung Serubbabels. Die vier Reden des Buches Haggai sind bis auf den Tag genau datiert (1,1; 2,1; 2,10; 2,20) und fanden in der zweiten Hälfte des Jahres 520 v. Chr. in Jerusalem statt. Das Datierungssystem dürfte jedoch sekundär in die prophetische Programmschrift Haggais eingebracht worden sein.] (a)

 (Lied:  Lobt Gott, den Herrn  der Herrlichkeit (EG 300,1-3)


[ oder ]  Eröffnung (Ingressus): Herr, bleibe bei uns (EG Wü 781.1)


Psalmodie (gesungen)

Leitvers: Meine Augen sehen stets auf den Herrn.

Psalm 25 : Herr, zeige mir deine Wege (EG Wü 784)

oder mit dem Evangelischen Tagzeitenbuch

Leitvers: Die Augen des HERRN schauen herab, seine Blick prüfen die Menschen.

Psalm 11 - Beim HERRN bin ich geborgen (TZB 554)


oder Psalmgebet (gesprochen)

Leitvers: Ich bin mit euch, spricht der HERR Zebaoth – nach dem Wort, das  ich euch zusagte, als ihr aus Ägypten zogt – und mein Geist soll unter euch bleiben. Fürchtet euch nicht!. Hag 2,4.5

Psalm 84 Wie lieblich sind mir deine Wohnungen, HERR Zebaoth (EG.E 72 / EG 734)

Tagesgebet 

Beten wir in der Stille zu Gott, der uns in seinem Wort begegnet: - Stille - 

Allmächtiger Gott. Du hast zu den Propheten gesprochen, dass sie deinen Willen und den Ruf zur Umkehr in Gericht und Trost verkünden. Erfülle die Wächter deiner Wahrheit mit deinem Geist, dass selbst durch das Zeugnis von Wenigen die Kinder der Erde sich dir zuwenden und mit den Heiligen in deiner Herrlichkeit zusammenfinden aus der Kraft Jesu Christi, unsres Herrn, des Ret-ters der Menschheit, der mit dir und dem Heiligen Geist, ein Gott, lebt und regiert in Ewigkeit. (b) 


Lesung aus dem Alten Testament:  Haggai 2,4-9 – Es ist nur noch eine kleine Weile ...


Antwortgesang: Weise mir, Herr, deinen Weg (EG Wü 779.3)


Lesung aus dem Neuen Testament:  1.Petrus 2,5-10  - erbaut euch zum geistlichen Haus


Antwortgesang: Fest wie der Himmel steht dein Wort (EG Wü 780.4))


Auslegung oder Betrachtung 


Lied: Erhebet er sich unser Gott (EG 281 in Auswahl)


[ Canticum (c)

Leitvers: Der Herr hat uns aufgerichtet eine Macht des Heiles im Hause seines Dieners David.

Benedictus:  Gelobt sei der Herr, der Gott Israels (EGWü 779.6)

 

Fürbitten
Ewiger Gott, zu allen Zeiten hast du Menschen in Anspruch genommen, deinen Willen zu bezeu-gen, für deine Gerechtigkeit einzutreten und ihre Zeitgenossen zurückzuführen auf den Weg des Lebens. Sei auch jetzt unter uns wirksam durch deinen Geist. – Wir rufen dich an:

R: Dein Reich komme.

Wir bitten für deine Kirche: Stärke sie, glaubwürdig zu verkünden, was du verheißen hast; ermutige sie, Unrecht beim Namen zu nennen; führe durch sie Menschen in das Vertrauen, dass du denen Vergebung schenkst, die innehalten auf ihrem Weg. – Wir rufen dich an:

R: Dein Reich komme.

Wir bitten für alle, die zu bestimmen haben im wirtschaftlichen Leben: Gib, dass sie ihre Verantwortung für den Frieden auf Erden und das Wohl aller Menschen nicht versäumen; bewahre sie vor der Versuchung, ihre Macht zu missbrauchen. – Wir rufen dich an:

R: Dein Reich komme.

Wir bitten für alle, die von Rastlosigkeit, Überforderung und Angst geplagt werden: Öffne ihnen Raum zur Erquickung für Leib und Seele; lass sie Zeit finden, das Wort des Lebens wahrzunehmen. – Wir rufen dich an:

R: Dein Reich komme.

Wir bitten für alle, die ihre Einsamkeit schmerzlich spüren oder gebeugt sind von Trauer und Verzweiflung: Lass sie Annahme und Freundlichkeit durch andere Menschen erfahren und darin Zeichen deiner Nähe erkennen. – Wir rufen dich an:

R: Dein Reich komme.

Wir bitten für uns alle: Gib uns wache Sinne und bereite Herzen für die Zeichen deines Kommens; mache uns achtsam für all jene, in denen du uns begegnest. – Wir rufen dich an:

R: Dein Reich komme. (d)

Vaterunser


[ Schlussgesang: Ach mache du mich Armen (EG 10,4)

oder Schalom chaverim (EG 434)


Segen


Anhang 


Haggai und seine theologische Initiative in der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation Judas um 519 v. Chr.

Vermutlich gab es eine Koalition, die an der Wiedererrichtung des Tempels interessiert war (Spätsommer 520 v. Chr.): Zum einen die Priesterschaft, die durch den Tempelbau wieder Arbeit bekommen konnte; zum anderen die Realpolitiker, die das Wohlwollen des persischen Statthalters Serubbabel für ihre Restaurationsbestrebungen nutzen wollten. ... Die wirtschaftliche Lage in Juda war jedoch infolge einer längeren Dürreperiode katastrophal. Auch die Wiedereingliederung der Rückwanderer machte Probleme; Eigentumsansprüche der Rückkehrer mussten teilweise gerichtlich entschieden werden, daher kam es zu erheblichen sozialen Spannungen.. (Hag 1,6.9.10 f.  2,16 ; Sach 8,10 ) 

Es gab auch theologische Einwände gegen den Tempelbau: In der desolaten Lage sah man nicht das Zeichen JHWHs zur Wiedererrichtung (Hag 1,2), schon Jeremia hatte nach Sicht seiner deuteronomistischen Interpreten davor gewarnt, falsches Vertrauen in den Tempel zu setzen, und stattdessen die Verbesserung der sozialen Lage gefordert (Jer 7: die Tempelrede Jeremias). Vor allem die prophetisch-deuteronomistischen Gruppen der Daheimgebliebenen wollten sich wohl zuerst sozialen Problemen widmen. 

Zu einem Umschlag der öffentlichen Meinung kam es mit Haggai und Sacharja. Mit realpolitischen Interessen verband sich utopisches Potential, das die beiden Propheten in Anknüpfung an die exilische Heilsprophetie einbrachten. Beide leisteten eine enorme Überzeugungsarbeit: Es galt, die politischen und priesterlichen Führer und einen Großteil der Bevölkerung für den Tempelbau zu motivieren (Hag 1,2-11) und (Hag 2,3-9 ; die Nennung Jehoschuas in 2,4 geht auf den Haggai-Chronisten zurück, der auch die Datierung vornahm. Vgl. dazu den Abschnitt über die theologische Verarbeitung der gescheiterten Restauration). 

Haggai trat in den ersten drei Monaten des Tempelbaus auf (29.9.-13.12.520). Er verband mit der Vollendung des Tempelbaus die Hoffnung auf eine Restitution des davidischen Königtums und das welterschütternde Eingreifen JHWHs. Gleichzeitig sollte auch die Verwerfung Jojachins paradigmatisch zurückgenommen werden – (Hag 2,23 vgl. Jer 22,24). Haggai und Sacharja erweckten mit dem konkreten Akt des Tempelbaus aber sehr viel weitergehende Restaurationshoffnungen, die sich schnell als gefährliche Illusion erwiesen. 

Nach R. Lux bleibt der Bau des Zweiten Tempels ein prophetisches Projekt – ansonsten hätte Haggai Serubbabel  sowie den Rest des Volkes nicht derart ermutigen und bestärken müssen. Das Siegelwort passt auch gut zu dieser Annahme. Eventuell war Serubbabel ja tatsächlich nur mit der Befriedung der Westflanke nach Ägypten hin betraut, sollte also lediglich das judäische Gemeinwesen stabilisieren. Dass Haggai mit diesem Davididen einen potentiellen Tempelbauer hatte, ist erst von daher möglich, muss aber nicht von vornherein erklärtes Ziel der persischen Mission gewesen sein. (a)

Quellen und Vorlagen


Soweit nicht anders angegeben sind Bibelverse wörtlich zitiert aus: Die Bibel nach Martin Luthers

Übersetzung – revidiert 2017, © 2017, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 

# als eigenständige liturgische Farbe für das Gedenken alttestamentlicher Gestalten könnte das adventliche Blau (der Erwartung) verwendet werden, wie in der schwedischen und finnischen Kirche sowie in einer Reihe amerikanischer Denominationen (z.B. Lutheraner) gebräuchlich 

[ ] Durch Klammer gekennzeichnete Stücke können entfallen

a vgl.  https://de.wikipedia.org/wiki/Haggai

b vgl. Alternative Service Book, Anglican Church of Canada, Toronto 1980,

c Die Verwendung des Benedictus als Canticum in diesem Abendgottesdienst legt sich nahe, da in der orthodoxen Tradition Johannes der Täufer als Repräsentant des ersterwählten Gottesvolkes gesehen wird (vgl. Deisis).

d Quelle derzeit nicht feststellbar