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18.(17.) Dezember 2017


Prophet Daniel (blau #) Knecht des lebendigen Gottes

Daniel wurde zugesagt: Fürchte dich nicht, du von Gott Geliebter! Friede sei mit dir! Sei getrost, sei getrost. (Dan 10,19)


In manchen Kirchen der Ökumene (Orthodoxie, Anglikanische Kirche in Kanada, amerikanische Lutheraner (LCA) wird nicht nur der Apostel und überzeugenden „Heiligen“ aus der Geschichte des christlichen Glaubens gedacht, sondern auch zu besonderen Tagen an herausragende Gestalten des Ersten Bundes erinnert mit dem, was von ihnen im Alten Testament (Tora, Prophetenbücher, Schriften – auch außerkanonisch) überliefert wird. Ihr Gedächtnis kann das „Thema“ für einen Wochen-Gottesdienst vorgeben. Dazu werden Vorschläge für eine abendliche Feier (Vesper) mit Elementen aus der Tagzeitenliturgie geboten.

Eröffnung (Begrüßung)

Gelobt sei Gott, der HERR, der Gott Israels, der allein Wunder tut. Gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich und alle Lande sollen seiner Ehre voll werden.  (Ps 72,28.29) R: Amen.

Wir gedenken heute des "Propheten" Daniel, der zentralen Gestalt eines im 2. Jahrhundert v. Chr. entstandenen, lehrhaften, apokalyptischen Buches. Es ist vom Autor in der Form eines Selbstzeugnisses aus dem 6. Jahrhundert verfasst und wurde erst spät Bestandteil des Alten Testaments. Daniel wird infolge der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar nach Babylon verschleppt. Seine „Treue zu Gott zeigt sich im Leben nach der Tora (1,8-16, negativ 9,9-13) und im täglichen Gebet (&,1) und schließt eine Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft (3; 6) aus. Das führt zu tödlichen Gefährdungen, die durch Gottes Eingreifen überwunden werden.“ (a) 

(Lied: Lobe den Herren, o meine Seele (EG 303,1-4.8)


[ oder ]  Eröffnung (Ingressus): Herr, bleibe bei uns (EG Wü 781.1)


Psalmodie (gesungen)

Leitvers: Der Engel des Herrn behütet alle, die ihn fürchten.

Psalm 34 : Ich will den Herrn loben allezeit (EG Wü 781.2)

oder

Leitvers: Erbarme dich meiner, Herr, und vernimm die Stimme meines Flehens.

Psalm 91 : Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt (EG Wü 782.4)


oder Psalmgebet (gesprochen)

Leitvers: Der lebendige Gott, der ewig bleibt und dessen Reich unvergänglich ist und dessen Herrschaft kein Ende hat, er ist ein Retter und Nothelfer und tut Zeichen und Wunder im Himmel und auf Erden. (nach Dan 6,27.28)

Psalm 30: Ich preise dich, Herr (EG 715)


[ Tagesgebet 

Beten wir in der Stille zu Gott, der uns den Weg zum Leben führt: 

Gott, Herr der Welt, ewig und treu. Ohnmächtig stehen wir oft der Gewalt und dem Unrecht gegenüber. Gib uns Kraft gegen die Mächte der Finsternis und richte unter uns dein Reich auf, in dem Friede und Gerechtigkeit herrschen. Habe Erbarmen mit uns und rette uns um Jesu Christi willen, deines Sohnes, unseres Herrn.  (b) ]


Lesung aus dem Alten Testament: Daniel 6 (in Auswahl) - Daniel in der Löwengrube


Antwortgesang: Gelobt sei der Name des Herren (EG Wü 779.4) 


Lesung aus dem Neuen Testament: Hebräer 11,32b-40 - Diese haben durch den Glauben...


Antwortgesang: Weise mir, Herr, deinen Weg (EG Wü 779.3)


Auslegung oder Betrachtung 


Lied: Wo Gott der Herr nicht bei uns hält (EG 297 in Auswahl)


[ Canticum (c)

Leitvers: Der Herr hat uns aufgerichtet eine Macht des Heiles im Hause seines Dieners David.

Benedictus:  Gelobt sei der Herr, der Gott Israels (EGWü 779.6)

 

Fürbitten

Gott, an diesem Tag, da wir des Geschicks deine Knechtes Daniel und seiner Rettung gedenken, bitten wir besonders für alle, die wegen ihres Glaubens benachteiligt und verfolgt werden. Stärke sie mit deinem Heiligen Geist, damit sie in ihrer Bedrängnis die Hoffnung nicht verlieren. Wir rufen dich an:

R: Kyrie eleison

Wir bitten auch für die Verfolger, dass sie das Unrecht, das sie anderen antun, spüren und begreifen. Lass sie dich in den Opfern erkennen. Wir rufen dich an:

R: Kyrie eleison

Wir bitten auch für alle, die aus Gründen der Politik, der Hautfarbe, der Herkunft oder Rasse verfolgt werden. Sieh auf das Unrecht, das ihnen widerfährt, und mache uns bereit, ihnen Schutz zu gewähren. Wir rufen dich an:

R: Kyrie eleison

Wir bitten für deine Kirche in aller Welt. Stärke uns den Glauben durch das Zeugnis unserer bedrängten Brüder und Schwestern. Mach uns empfindsam für die Not aller Unterdrückten und hilf uns entschieden zu sein im Einsatz gegen Unrecht. Wir rufen dich an:

R: Kyrie eleison

Wir gedenken aller, die mit dem Opfer ihres Lebens Zeugnis für dich abgelegt haben (besonders...) Lass sie deine Herrlichkeit schauen und mach uns fähig zum mutigen Bekenntnis. Wir rufen dich an:

R: Kyrie eleison

Gott unser Vater, im Gebet tragen wir das Leiden der Verfolgten vor dich und die Klage derer, denen die Sprache genommen wurde. Wir vertrauen auf dein Erbarmen und preisen deine Güte durch Christus, unseren Retter und Herrn. (d)


Vaterunser


[ Schlussgesang: Ach mache du mich Armen (EG 10,4)

oder Schalom chaverim (EG 434)


Segen


Zum Daniel-Buch


Das Danielbuch ist im 2. Jahrhundert v. Chr. entstandenen,  wobei es vom Autor in der Form eines Selbstzeugnisses aus dem 6. Jahrhundert verfasst ist. Es wurde erst spät Bestandteil des Alten Testaments und wird in der Hebräischen Bibel nicht zu den Propheten, sondern zu den Ketuvim (Schriften) gezählt. Die Septuaginta kennt zudem Passagen, die in den lutherischen Übersetzungen als apokryphe „Stücke zum Buch Daniel“ enthalten sind (u.a. der Gesang der drei Männer im Feuerofen =  Benedicite). Ein mittlerer Teil (2,4b - 7,28)  der Schrift ist nicht in Hebräisch sondern in Aramäisch verfasst. Der Daniel des Buches, dessen Name "Gott ist der Richter" bedeutet, wurde 605 v. Chr. nach Babylon - im heutigen Irak - ins Exil deportiert, dann dort am Hof des Königs Nebukadnezar erzogen. Nach einer Traumdeutung erhielt er eine einflussreiche Stellung am Hof (Daniel 1). Wegen seiner Glaubenstreue ließ der König einige seiner hebräischen Freunde in einen Feuerofen werfen, aber sie überlebten dank Gottes Hilfe (Daniel 3). Daniel deutete auch dem nachfolgenden König Belsazar die sprichwörtlich gewordenen, geisterhaften “Zeichen an der Wand”, die “Menetekel”; sie lauteten: “Mene mene thekel upharsin” und bedeuten: “mene”: “Gezählt sind Deine Tage”; “thekel”: “Du bist von Gott gewogen und zu leicht befunden”; “upharsin”: “und geteilt werden wird Dein Reich” (Daniel 5). Weil Daniel sich nicht an das Verbot des Betens hielt, das König Darius erlassen hatte, wurde er in die Löwengrube geworfen, blieb aber unversehrt und wurde gerettet (Daniel 6). - Seinem Volk im Exil erschloss Daniel mit seiner apokalyptischen Weissagung die Messias- und Endzeiterwartung (Daniel 7 - 12) [ Das Gebäude mit dem angeblichen Grab Daniels in Susa - heute Ruinen bei Shush - im Iran hat die Form eines Zuckerhutes.] (e) „ Für nichtjüdische Leserinnen und Leser könnte das Danielbuch ein Anlass sein, Israels Gott zu respektieren, sich an Daniels Treue zu Gott ein Beispiel zu nehmen, Menschenwürde und religiöse Identität von Juden und Jüdinnen nicht zu verletzen. Denn alle Gewalt hat keinen Bestand und wendet sich gegen die Gewalttätigen selbst (6,25).“ (f)

Vgl. auch Daniel – Visionär und Apokalyptiker

In:H. Bedford-Strohm, Die Personen der Bibel, München 2016, S. 35


Quellen und Vorlagen


Soweit nicht anders angegeben sind Bibelverse wörtlich zitiert aus: Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung – revidiert 2017, © 2017, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

# als eigenständige liturgische Farbe für das Gedenken alttestamentlicher Gestalten könnte das adventliche Blau (der Erwartung) verwendet werden, wie in der schwedischen und finnischen Kirche sowie in einer Reihe amerikanischer Denominationen (z.B. Lutheraner) gebräuchlich 

[ ] Durch Klammer gekennzeichnete Stücke können entfallen

a vgl. Bibel in gerechter Sprache, Gütersloh 2006, S. 1360

b vgl. O. Hagenmüller (Hg) Gebete zu den Psalmen, St. Ottilien 1995, S. 37

c Die Verwendung des Benedictus als Canticum auch in diesem Abendgottesdienst legt sich nahe, da in der orthodoxen Tradition Johannes der Täufer als Repräsentant des ersterwählten Gottesvolkes gesehen wird (vgl. Deisis).

d  vgl. Materialheft, 26. Dezember - Gebetstag für verfolgte Christen, OKR Stuttgart 2009, S. 22 

e  vgl. www.Ökumenisches Heiligenlexikon zu Daniel

f vgl. Bibel in gerechter Sprache, Gütersloh 2006, S. 1360